Samstag, 13. Oktober 2007
Vielleicht sollten die Lokführer ja mal gegen die überzogenen Gehälter der DB-Marketingchefs streiken. Denn was sich die Werbe-Strategen bei der optischen Gestaltung des Bahnhofs in Mehlem gedacht haben (oder eher nicht), lässt auf Arbeiten unter massivem Nikotinentzug schließen.



Auf dem mehrfach als „rauchfreier Bahnhof“ ausgeschildertem Bahnsteig 2/3 prangt in diesen Tagen auf einer riesigen Plakatwand die aktuelle Rauchmittelwerbung einer der bekanntesten Zigarettenmarken. Wo das Bahnsteigskonzept den blauen Dunst verbietet, reizt das Werbekonzept an gleicher Stelle dazu, die Ordnung zu brechen – oder zumindest entsprechende Ordnungsbrechmittel zu erwerben. Diese Kombination plakatierter Aussagen ist ungefähr so glaubwürdig, als trügen die Polizeibeamten im Bonner Loch plötzlich Motto-T-Shirts mit der Aufschrift „Drogen sind super – nur hier nicht“.

Und jetzt drohen auch noch mehr Streiktage, Zugausfälle und -verspätungen. Auf jeden Fall bleibt Zeit genug für das eine oder andere Kippchen in der Raucherzone auf dem Bahnhof Mehlem. Zur Verbesserung der Sauberkeit und aus Rücksicht auf andere.
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Dienstag, 9. Oktober 2007
Nach Hegel ist Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit.
Für Marx dagegen ist nur frei, wer das Reich der Notwendigkeit verlässt und durch nichts mehr beschränkt ist.

Wer will, muss nicht müssen. Aber kann man wollen, was man muss?

Spannende Frage, denke da an Aufstehen, Schlafengehen, Schule und Arbeit nach dem Feiern, den Zahnarzt, die Steuererklärung oder das Nasenhaarausreißen.

Klar ist, dass das Begriffspaar Müssen vs. Wollen eine wichtige Rolle spielt. „Wir sind Helden“ haben dieses einleuchtende Paradox in einem wunderbaren Song auf „Die Reklamation“ illustriert.
Seitdem kommt mir der Song immer wieder in den Kopf, wenn ich gerade irgendwas wollen muss.

Zitat:

Müssen nur wollen

Muss ich immer alles müssen was ich kann
Eine Hand trägt die Welt und die andere bietet Getränke an?
Ich kann mit allen zehn Füßen in zwanzig Türen
und mit dem elften in der Nase
noch Ballette aufführen
Aber wenn ich könnte wie ich wollte würde ich gar nichts wollen
Ich weiß aber dass alle etwas wollen sollen -

Wir können alles schaffen genau wie die tollen
dressierten Affen wir müssen nur wollen
wir müssen nur wollen wir müssen nur wollen
Wir müssen nur

Muss ich immer alles müssen was ich kann
Eine Hand in den Sternen
die andere im Hintern vom Vordermann?
Das ist das Land der begrenzten Unmöglichkeiten
Wir können Pferde ohne Beine rückwärts reiten
Wir können alles was zu eng ist mit dem Schlagbohrer weiten
Können glücklich sein und trotzdem Konzerne leiten

Wir können alles schaffen genau wie die tollen
dressierten Affen wir müssen nur wollen
wir müssen nur wollen wir müssen nur wollen
Wir müssen nur

M: Holofernes, Tourette, T: Holofernes

Linktipp:
Wir sind Helden


Schmiererei auf einer Häuserwand in der Bonner Altstadt.
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Montag, 8. Oktober 2007
Du findest Wirtschaft langweilig?
Hier muss ein Missverständnis vorliegen. Wahrscheinlich findest du die Berichterstattung über Wirtschaft ermüdend.

Zwei Gegenbeispiele aus dem Verbrauchersektor:
Kürzlich erhielt ich einen Anruf auf meinem Handy von einem Freund aus Berlin. Auf dem Display erschien die Nummer "4930802085920". Ich ging nicht ran, weil ich keine Freunde in Berlin habe.

Der Kollege Sascha Borowski erklärt auf seinem lesenswerten www.augsblog.de, was dahinter steckt:
"Seit gestern wird Verbrauchern massenhaft die Rufnummer +4930802085920, bzw. 030802085920 aufs Handydisplay gespielt. Wer glaubt, er habe einen wichtigen Anruf verpasst und deshalb die Berliner Nummer anruft, landet bei einer Bandansage: “Schön dass wir sie doch noch erreicht haben”, liest da ein junger Herr mit rollendem “R” seinen Text herunter. Und faselt etwas von einem “Geld- oder Sachpreis von bis zu 3000 Euro”, den man angeblich gewonnen habe. Um den “Gewinn” zu bekommen, müsse man nur die Nummer 09003101688 anrufen - das übliche dumme Geschwätz also, um arglose Opfer über eine teure Nummer abzuzocken."

Wirtschaft ist spannend. Beispiel zwei aus dem Bereich Telekommunikation und Postwesen:

Kürzlich einen externen CD-Brenner auf Ebay versteigert. 13,50 Euro erzielt, inklusive Porto. Wählte Hermes, brachte das Paket in die Annahmestelle in der Kölnstraße.
Drei Tage später kam das Paket wieder: Hermes versendet nicht an Packstationen! Hätte man ja auch mal vorher erwähnen können. 4,10 Euro futsch, Paket per Post verschickt, noch mal 6,90 Euro fürn Paket. Macht 11 Euro Porto, und 2,50 Euro Gewinn beim Brenner abzüglich 25 Cent für das Einstellen bei Ebay. Danke Hermes!

Wir sehen: Die Wirtschaft ist so spannend wie das Leben selbst und begegnet uns überall.
Oder um meinen alten Freund Obiwan Kenobi abzuwandeln:
"Der Markt ist es, der dem Jedi seine Stärke gibt. Er ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugt. Es umgibt uns, es durchdringt uns. Es hält die Galaxis zusammen."

Möge der Markt mit dir sein!

Linktipp:
Augsblog
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