Donnerstag, 20. September 2007
Was für ein Tag gestern! Zum Müdewerden.
Die Stenomitschrift:
5.15 Martha (9 Mon.) wird mit uns wach.
Kaffeekochen, Brote schmieren, duschen.
6.00 Betti geht zur Arbeit, Martha und ich allein zu Haus.
Frühstücksfläschchen, bisschen Geheule.
7.00 Erstes Schläfchen, lese für Magister-Klausur "Klatsch - Sozialform der diskreten Indiskretion".
8.00 Martha wach, wickeln, Zubereitung des Kartoffelsalats mit Majonaise für den Abend.
9.15 Aufbruch zum ersten Zeitungs-Termin für den GA.
Hinter Bundeskunsthalle, Kessenicher Seite, deshalb zweimal 20 Minuten Wartezeit am Bahnübergang.
11.00 Rückkehr zur Homebase. Mittagsbrei.
11.45 Zweites Schläfchen, selbst essen, Vorbereitung zweiter und dritter Termin.
13.10 Martha wecken, Geheule, Aufbruch zum Alten Rathaus, Pressekonferenz, Behinderteneingang suchen, durchfragen. Ratsherren von SPD und CDU angetan von junger Praktikantin, die ein halbes Zwieback verdrückt, ein bisschen quakt, sonst aber keine Fragen hat zum Baurecht und zu Baulücken.
14.30 Rückkehr, Kuchen kaufen.
14.45 Text schreiben zur Pressekonferenz, hoffen dass Martha nicht zuviel ausräumt, spielt mit dem Telefon. Text fertig, verschickt, mit heißer Nadel gestrickt.
15.30 Betti kommt, Kaffee, Übernahme Kind.
16.05 Stadtbahntransfer zum Hauptbahnhof, weiter Richtung Rheinbach. Anschlussbus zum Freizeitgelände Monte Mare verpasst, Stadtrundgang. Süßes Örtchen, fast wie Heimat-Spargeldorf Walbeck.
18.00 Training E-Jugend VfL Rheinbach. Nettes Interview, fitte Jungs. Fußmarsch zum Bahnhof.
18.45 Fahrt nach Bonn, Laugenstange und A-Schorle.
19.05 Stadtbahnfahrt zum GA, Tannenbusch-Süd, Fußmarsch
19.20 Kirchenkalender fertigestellen, Bonn, Beuel, Bad Godesberg, zwischendurch Plausch mit Peter, Vater der freien Mitarbeiter.
20.50 Linie 18 fährt mir vor der Nase weg. Linie 16 fährt erst nach neun.
21.30 Duracell-Hase kehrt nach Hause zurück.
21.50 Kartoffelsalat mit kalten Wiener Würstchen, dazu Feierabendbier.
22.15 Nachtruhe.
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Dienstag, 18. September 2007
Es gibt Menschen, die stellen gerne Ranglisten auf - wie der Held in Nick Hornbys "High Fidelity":
- beste Platten/Songs zu bestimmten Anlässen aller Zeiten,
- die heißesten Ex-Freundinnen
- etc. etc.

Ranglisten sind nicht so mein Ding, aber Listen an sich können sehr praktisch sein. Im Arbeitsleben (was wollte/muss ich gleich noch tun?), im Alltag (was muss ich einkaufen?), in der Freizeit (für unsere Party brauchen wir?).

Meine Lieblingslisten sind jene, die noch unbedingt zu lesende Bücher vereinen.
Volker Weidermann stellt in seiner wunderbar kurzweiligen und unterhaltsamen Literaturgeschichte "Lichtjahre" eine ganze Menge lesenswerte Bücher vor.

Hier meine Lichtjahre-Liste:
- Klabund: Dt. Literaturgeschichte in einer Stunde
- Alfred Polgar
- Gottfried Benn: Gedichte
- Gerd Ledig: Stalinorgel
- Kurt Kusenberg: Wein auf Lebenszeit
- Hermann Burger: Blankenburg
- Wolf Wondratschek: Carmen oder Bin ich das A...loch der achtziger Jahre?
- Elias Canetti: Die Blendung, Aufzeichnungen
- Adolf Endler: Der Pudding der Apokalypse
- Jurek Becker: Jakob der Lügner
- Friedrich Dürrenmatt: Justiz
- Eckhard Henscheid: Die Vollidioten
- Peter Handke: Publikumsbeschimpfung, Wunschloses Unglück, Das Gewicht der Welt
- Gabriele Goettle: Freibank, Deutsche Sitten, Experten
- Joachim Lottmann
- Jörg Schröder: Siegfried
- Ernst-Wilhelm Händler: Wenn wir sterben
- Durs Grünbein: Erklärte Nacht
- Terezia Mora: Alle Tage
- Felicita Hoppe: Pigafetta
- Jakob Arjouni: Magic Hoffmann
- Helmut Krausser: Fette Welt
- Frank Schulz: Morbus Fonticuli

Viel zu tun. Aber so lange bereitet schon ein Blick auf die Liste Vergnügen.
Übrigens: Weidermanns "Lichtjahre" gibt es jetzt auch als Taschenbuch.
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Montag, 17. September 2007
Das Raucher-Reservat auf Bahnsteig eins im Bonner Hauptbahnhof ist geschrumpft – auf ein etwa drei mal drei Meter großes, nicht überdachtes Viereck. Eine Insel für Nikotinsüchtige, begrenzt durch gelb gestrichene Seitenlinien. Doch was ist mit jenen Widerständigen, die künftig rauchend das Kreidequadrat verlassen? Trifft sie Mehdorns Blitz oder werden sie auf andere Art vom Bahn-Personal gemaßregelt? Und wie wird der Rauch senkrecht nach oben abgeführt?
Solche Fragen bewegen einen Mitreisenden und –rauchenden. Der Leidensgenosse redet über das für ihn selbstverständliche Gebot der Höflichkeit, nicht in Restaurants zu rauchen. Und er redet über das künftige totale Rauchverbot in den Fernzügen der Bahn, das natürlich auch gilt, wenn eine Fahrt mal sechs Stunden dauert.
Man sieht das kleine Viereck und ist versucht, an Thomas Gottschalk zu schreiben: „Ich wette, dass ich mehr als 30 Menschen auf eine Raucher-Insel am Bahnsteig stellen kann, ohne dass sie sich verletzen.“
Aber was soll die Aufregung, nicht nur Schiffbrüchige wissen: Die kleinste Insel ist besser als gar kein Land.
(erschienen im General-Anzeiger, 10.09.2007)

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