Montag, 19. Januar 2009
Eine ständige Quelle unseres Missvergnügens sind jene 25-Euro-Knöllchen, die wir vor unserer Haustür bekommen. Und das, obwohl wir über einen Anwohnerparkausweis verfügen, für den wir immerhin 26 Euro im Jahr zahlen. Das Zusatzknöllchen sucht uns häufig dann heim, wenn abends mal wieder alle Anwohnerparkplätze besetzt waren (auch von Nicht-Ausweis-Inhabern) und man notgedrungen mit einem Parkscheibenparkplatz vorlieb nehmen musste. Der ist über Nacht zwar ohne Parkscheibe benutzbar, morgens ab 8 Uhr aber nicht mehr. Und wer dann nicht vor dem Frühstück zum Auto hetzt, kann schon mal Pech haben. Denn die Verkehrsaufseher sind gerne kurz nach Beginn der Parkscheibenzeit aktiv, vermutlich weil sich mit Spätaufstehern recht gut verdienen lässt.
Darüber kann man sich nun kräftig ärgern. Der Pragmatiker indes sucht eine bezahlbare Lösung. Im Internet gab es eine automatische Parkscheibe mit integriertem Uhrwerk. Der Clou: Durch die eingebaute Uhr läuft die Parkscheibe einfach unbemerkt mit.
Der Verkäufer warnt: „Natürlich ist es nicht erlaubt, eine Parkscheibe mitlaufen zu lassen, daher befindet sich auf der Rückseite der Uhr ein Schalter, um die Uhr beim Parken zu stoppen! Nach dem Einschalten stellt die Parkuhr automatisch wieder die aktuelle Zeit ein!“
Was soll ich sagen: Die Bonner Politessen scheinen sehr aufmerksam zu sein, denn der Selbstversuch scheiterte bereits beim zweiten Mal. Nach der Anhörung („Ich tu’s nicht wieder und sehe meinen Fehler ein. Bitte um Absolution“) kam nun der Bußgeldbescheid über 40 Euro plus 23,50 Euro Verfahrenskosten. Aber wenn man sich hinter den Amtsschimmel stellt und an seinem Schwanz zieht, muss man sich nicht wundern, wenn er austritt.
Weil das Ordnungsamt in Straßenverkehrsordnungsfragen offensichtlich überhaupt keinen Spaß versteht, kommt die „wahre Parkuhr“ jetzt auf den Sondermüll, und wir stellen im Bedarfsfall die herkömmliche Parkscheibe alle zwei Stunden weiter. Soviel zum Widerstand gegen die Ordnungsgewalt.
Aktenzeichen: 7777.7441.3066 (Bitte stets angeben).
Sascha Stienen

(Heute in leicht geänderter Form erschienen im General-Anzeiger Bonn.)
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Sonntag, 18. Januar 2009
In den Augen materialistischer Mütter, die ihre Zuneigung nur über Geld zeigen können, gilt der Patenonkel so viel wie der gemeine Zahlvater, nur dass im ersten Fall keine Blutsverwandtschaft vorliegen muss. (Tut es leider aber manchmal.)
Das Missverstehen des Begriffs Pate wird gerade im Vorfeld großer Feste wie Geburtstag oder Weihnachten deutlich, wenn der Beschenkte aus dem Schenkenden einen Versandhausonkel macht.
Vor dem Christfest schickte ich meiner Patentochter ein schönes Paket mit einem super Fußwärmer, zwei kleine Wärmflaschen inklusive, einer Wolfgang-Petry-CD mit Weihnachtsliedern, mit Schokolade und Haribos.
Nach dem Fest hieß es, der Fußwärmer, sei ja nix gewesen. Ich sollte doch was anderes schicken, eine Hose Größe 134, ein T-Shirt oder einen Pullover in Größe 152 und Kniestrümpfe in 31 bis 34. Der Fußwärmer werde umgehend zurückgesendet.
„Ich bin doch kein Versandhaus!“, entfuhr es mir. Als dann das Paket auch noch unfrei zurückkam – wie im Versandhandel bei Nichtgefallen üblich – und ich zwölf Euro Nachporto (!) zahlen sollte, platzte mir der Kragen. Beim nächsten Mal gibt es gar nichts, nur gute Wünsche und vielleicht ein von mir liebevoll mit den Wachsmalstiften meiner Tochter gemaltes Bild.
Der Pate, heißt es im Herkunftswörterbuch, ist die Bezeichnung für den "christlichen Taufzeugen, der im christlichen Sinne mitverantwortlich ist für die Erziehung und das Wohlergehen seines Patenkindes". Mit Geld und Geschenken hat das erstmal nichts zu tun. Entlehnt ist der Begriff übrigens aus dem Lateinischen. „Pater spiritualis“ heißt soviel wie „geistlicher Vater“. Und nicht Onkel Neckermann.
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Samstag, 17. Januar 2009


"Goldene Zeiten. Die feinen, die besseren und die einfachen Leute. Und alle jederzeit überall deutlich zu unterscheiden und jeder weiß, wo er hingehört und was sich für ihn gehört. Wer arm ist, ist arm, aber ehrlich. Keine Ausländer. Keine Bettler, Säufer und Penner auf dem Bild." So beschreibt Peter Kurzeck in "Oktober und wer wir selbst sind" einen Bilderbuchfrieden.
Zum Glück sind nicht alle Kinderbücher so gestaltet, weder die alten noch die neuen. Schon unser aller geliebter Janosch ist ja gar nicht immer nur so tigerentensüß und knuffig, wie viele denken, sondern ein knallharter Realist. Da fängt der Bär in "Post für den Tiger" zwei Fische: "einen zur Speisung und einen, damit er ihm das Leben schenken konnte. Damit er sich darüber freut: denn Freude ist für jeden schön". Ein Widerhaken natürlich nicht. Und etwas später, als der Bär jemand sucht, der seinen Brief zum Tiger trägt, lehnt der Fuchs mit der Begründung ab, er müsse mit der eleganten Gans zu ihrer Beerdigung.

Ganz schön realistisch ist auch obige Bilderfolge, bei der (im Uhrzeigersinn) ein Hausbau, ein Brand und eine Flutkatastrophe zu sehen sind. Im Ravensburger "Sachen suchen" sind diese Bilder tatsächlich unmittelbar hintereinander geschaltet. Botschaft: Ein Haus, das du baust, kann am nächsten Tag brennen oder absaufen. So ist das. Auch in Ali Mitgutschs "Wimmelbüchern" wird gesoffen, nackt sonnengebadet, geknutscht und vor allem gepinkelt, was die Straßenköterblasen hergeben.
Und schließlich unser liebstes Bilderrätsel aus "Kennst du diese Fahrzeuge" aus dem Pestalozzi-Verlag von 1994: Ein Flughafen mit einem Jumbo-Jet der Lufthansa, der ausgerechnet "Landshut" heißt. Heißt: Auf diesem Bild könnte eine Flugzeugentführung kurz bevorstehen oder daran erinnern. In memoriam, Mogadischu!
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