Montag, 6. Oktober 2008
Samstag, 4. Oktober 2008
4. Oktober 2008
Eine der Lieblingsbeschäftigungen sprachlich interessierter Jäger und Sammler ist die Zeitungsausschnipselei. Findlinge aller Art sammeln sich im Notizbuch. Hier die fünf schönsten:
5. „Lass uns faul in allen Sachen / Nur nicht faul zu Lieb’ und Wein / Nur nicht faul zur Faulheit sein.“ Gotthold Ephraim Lessing (aus einer Tageszeitung)
4. „Der Unterschied zwischen der Deutschen Post und alternativen Postanbietern wird einem zum Beispiel auch dann klar, wenn man sieht, wie sich der Angestellte eines alternativen Anbieters mit der Kreditkarte an der Haustür zu schaffen macht, um sich Zugang zu den Briefkästen zu verschaffen.“
http://wasweissich.twoday.net/ (aus: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
3. „Müdigkeit und frische Vaterschaft können beruflich förderlich wirken. Roger Martin Buergel, künstlerischer Leiter der Documenta XII, antwortete dem ,Hamburger Abendblatt’ auf die Frage, wodurch er sich für seinen Posten ausgezeichnet habe: ,Wir hatten gerade unser zweites Kind bekommen, ich hatte einige Nächte nicht durchgeschlafen... Ich glaube, diese Gelöstheit hat dazu beigetragen, mich zu qualifizieren.’ Welch Fortschritt: Nach oben schlafen kann man sich heute auch nicht-schlafen.“ EVT (aus: Die Zeit)
2. „Ja, das ist eine Wortbildung. Rindergezadder, Schweinegezadder, Pferdegezadder. Also was als Steak verkauft wird, aber eigentlich ein Nackenstück ist, was dann zadderig ist, das ist Berlinerisch und heißt: es ist sehnig, unkaubar und stellt immer die Gefahr dar, das es einem im Halse als Spirale hängen bleibt. Schweinegezadder.“ Manfred Krug im Interview mit Peter Richter über den Titel seines neuen Buches (aus: FAS, 14.09.2008)
1. Das „Zeit“-Zitat dieser Freizeit-Revue-Gegendarstellung:

Großes Kino!
5. „Lass uns faul in allen Sachen / Nur nicht faul zu Lieb’ und Wein / Nur nicht faul zur Faulheit sein.“ Gotthold Ephraim Lessing (aus einer Tageszeitung)
4. „Der Unterschied zwischen der Deutschen Post und alternativen Postanbietern wird einem zum Beispiel auch dann klar, wenn man sieht, wie sich der Angestellte eines alternativen Anbieters mit der Kreditkarte an der Haustür zu schaffen macht, um sich Zugang zu den Briefkästen zu verschaffen.“
http://wasweissich.twoday.net/ (aus: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
3. „Müdigkeit und frische Vaterschaft können beruflich förderlich wirken. Roger Martin Buergel, künstlerischer Leiter der Documenta XII, antwortete dem ,Hamburger Abendblatt’ auf die Frage, wodurch er sich für seinen Posten ausgezeichnet habe: ,Wir hatten gerade unser zweites Kind bekommen, ich hatte einige Nächte nicht durchgeschlafen... Ich glaube, diese Gelöstheit hat dazu beigetragen, mich zu qualifizieren.’ Welch Fortschritt: Nach oben schlafen kann man sich heute auch nicht-schlafen.“ EVT (aus: Die Zeit)
2. „Ja, das ist eine Wortbildung. Rindergezadder, Schweinegezadder, Pferdegezadder. Also was als Steak verkauft wird, aber eigentlich ein Nackenstück ist, was dann zadderig ist, das ist Berlinerisch und heißt: es ist sehnig, unkaubar und stellt immer die Gefahr dar, das es einem im Halse als Spirale hängen bleibt. Schweinegezadder.“ Manfred Krug im Interview mit Peter Richter über den Titel seines neuen Buches (aus: FAS, 14.09.2008)
1. Das „Zeit“-Zitat dieser Freizeit-Revue-Gegendarstellung:

Großes Kino!
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Freitag, 3. Oktober 2008
3. Oktober 2008
Zum Einheitstag ein literarischer Ausflug ins West-Berlin der 1980er Jahre. „Der kleine Bruder“ von Sven Regener ist die wundersame Geschichte, wie Frank Lehmann in die Mauerstadt kommt, um seinen großen Bruder Manfred zu suchen. Das Buch ist das Bindeglied zwischen „Neue Vahr Süd“ und „Herr Lehmann“, dem hunderttausendfach verkauften Kultbuch, das zurecht seinen Weg in germanistische Hauptseminare gefunden hat, um dort als westdeutsche Schriftstellerantwort auf die Wendeliteratur ostdeutscher Herkunft besprochen und verdiskursiviert zu werden.
„Der kleine Bruder“ ist zwar nicht so actiongeladen wie jene Geschichte, in der Anakin Skywalker zu Darth Vader wird, aber Episode II der Lehmann-Trilogie ist dafür viel witziger. Das Buch lebt von den meisterlichen Dialogen Regeners, die lebensecht gestaltet sind.
Beispiel:
„Können wir schon mal den Ouzo haben?“ sagte Karl.
„Welchen Ouzo?“ sagte der Mann.
„Den Ouzo, den es immer am Ende gibt, den Umsonst-Ouzo, können wir den jetzt schon mal haben?“
„Ouzo umsonst gibt es nur am Ende“, sagte der Mann.
„Sonst ergibt das keinen Sinn, das hatten wir doch schon mal.“
Während man das liest, sieht man die Filmfiguren „Herr Lehmann“ und „mein bester Freund Karl“ förmlich vor sich. Und man bekommt spontan Lust auf ausgehen, rauchen und Bier trinken:
„Eins sag ich dir“, sagte Karl und kam mit zwei Flaschen Beck’s wieder hoch, „und das ist was fürs Leben: Trink immer, solange du noch kannst. Man weiß nie, ob später nicht was dazwischenkommt.“
Wir freuen uns also jetzt schon auf die Verfilmung mit Christian Ulmen und Detlev Buck und lesen derweil noch mal die Stelle mit dem (volle) Bierdosenwerfen und jene Stelle, an der Frank „Man spricht nicht über andere in der dritten Person“-Lehmann seine Berufung findet, und zwar hinter der Theke:
„Da fiel ihm überhaupt erst auf, wie viel Spaß ihm das machte, dass er noch nie so viel Spaß und Befriedigung bei einer Arbeit empfunden hatte wie hier, bei dieser vollkommen hirnlosen, idiotischen Bierdosenverklappung, wie er es in Gedanken nannte.“
Kurzum, dies hier ist keine Buchbesprechung im herkömmlichen Sinn, sondern eine begründete Kaufempfehlung.
Anbei meine Lieblinssprüche aus dem Buch. Wer sie nicht vorher lesen will, der steige bitte jetzt aus. Ansonsten kann man sie auch öfter genießen:
- Karl: „Antworte schnell und antworte gut.“
- „Das ist nicht krank, das ist Kunst. Bei Immel ist immer alles Kunst“, sagte Karl, und er sagte das ohne Ironie. „Wenn das mal rauskommt, sagt er einfach, dass das ein Kunstprojekt war. Du kannst über Immel sagen, was du willst, er ist ein Arschloch vor dem Herrn, aber irgendwie ist er auch genial, genau wie H.R., der kann auch aus jeder Scheiße Kunst machen.“
- Martin: „Aber was bringt das schon, wenn man den anderen immer ein Stück voraus ist? Ich meine, wenn einer zu früh ist, dann ist das doch irgendwie auch unpünktlich.“
„Der kleine Bruder“ ist zwar nicht so actiongeladen wie jene Geschichte, in der Anakin Skywalker zu Darth Vader wird, aber Episode II der Lehmann-Trilogie ist dafür viel witziger. Das Buch lebt von den meisterlichen Dialogen Regeners, die lebensecht gestaltet sind.
Beispiel:
„Können wir schon mal den Ouzo haben?“ sagte Karl.
„Welchen Ouzo?“ sagte der Mann.
„Den Ouzo, den es immer am Ende gibt, den Umsonst-Ouzo, können wir den jetzt schon mal haben?“
„Ouzo umsonst gibt es nur am Ende“, sagte der Mann.
„Sonst ergibt das keinen Sinn, das hatten wir doch schon mal.“
Während man das liest, sieht man die Filmfiguren „Herr Lehmann“ und „mein bester Freund Karl“ förmlich vor sich. Und man bekommt spontan Lust auf ausgehen, rauchen und Bier trinken:
„Eins sag ich dir“, sagte Karl und kam mit zwei Flaschen Beck’s wieder hoch, „und das ist was fürs Leben: Trink immer, solange du noch kannst. Man weiß nie, ob später nicht was dazwischenkommt.“
Wir freuen uns also jetzt schon auf die Verfilmung mit Christian Ulmen und Detlev Buck und lesen derweil noch mal die Stelle mit dem (volle) Bierdosenwerfen und jene Stelle, an der Frank „Man spricht nicht über andere in der dritten Person“-Lehmann seine Berufung findet, und zwar hinter der Theke:
„Da fiel ihm überhaupt erst auf, wie viel Spaß ihm das machte, dass er noch nie so viel Spaß und Befriedigung bei einer Arbeit empfunden hatte wie hier, bei dieser vollkommen hirnlosen, idiotischen Bierdosenverklappung, wie er es in Gedanken nannte.“
Kurzum, dies hier ist keine Buchbesprechung im herkömmlichen Sinn, sondern eine begründete Kaufempfehlung.
Anbei meine Lieblinssprüche aus dem Buch. Wer sie nicht vorher lesen will, der steige bitte jetzt aus. Ansonsten kann man sie auch öfter genießen:
- Karl: „Antworte schnell und antworte gut.“
- „Das ist nicht krank, das ist Kunst. Bei Immel ist immer alles Kunst“, sagte Karl, und er sagte das ohne Ironie. „Wenn das mal rauskommt, sagt er einfach, dass das ein Kunstprojekt war. Du kannst über Immel sagen, was du willst, er ist ein Arschloch vor dem Herrn, aber irgendwie ist er auch genial, genau wie H.R., der kann auch aus jeder Scheiße Kunst machen.“
- Martin: „Aber was bringt das schon, wenn man den anderen immer ein Stück voraus ist? Ich meine, wenn einer zu früh ist, dann ist das doch irgendwie auch unpünktlich.“
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